Anregungen für den digitalen Wandel

DIZ 02.05.2017

LÖRRACH. Die Digitalisierung der Arbeits- und Lebenswelt schreitet voran, doch vielen, insbesondere kleineren Unternehmen fehlt es derzeit noch an Vorstellungen und Ideen in dieser Hinsicht. Das regionale IT-Netzwerk Connect Dreiländereck bot deswegen am Donnerstag eine Veranstaltung über intelligente Systeme. Zudem vernetzt sich das Netzwerk weiter, nämlich über die Grenzen hinweg nach Frankreich und in die Schweiz.

Den Vortrag hielt Matthias Tröndle vom Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Tübingen. Er erläuterte, es komme bei autonomen Systemen darauf an, den Kreislauf zu schließen zwischen Wahrnehmung der Umgebung, Handeln und Lernen, nämlich Schlussfolgerungen zu ziehen, die es dem System erlauben, seine Aufgaben künftig besser zu erfüllen. Es sei allerdings nicht so einfach, das, was natürliche System können, auf künstliche Systeme zu übertragen, schon deswegen, weil etwa ein selbstfahrendes Auto über die Kamera nur ein zweidimensionales Bild erhält, daraus aber eine dreidimensionale Situation erkennen muss.

"Deep Learning" heißt das Schlagwort, das elektronischen Systemen solche Dinge ermöglichen soll. Durch Kooperationen zwischen Wissenschaft und Industrie sollen derlei Entwicklungen gestärkt werden. Auch will man Start-Up-Unternehmen fördern. Matthias Tröndle betonte die gesellschaftliche Wichtigkeit des Themas, denn künstliche Intelligenz werde alle Bereiche der Gesellschaft betreffen. Das werde zwangsläufig aber auch eine rechtliche und ethische Diskussion nach sich ziehen, und auch IT-Sicherheit sei dabei ein sehr großes Thema, sagte Alexander Graf, Geschäftsführer der IHK Hochrhein-Bodensee. Kleine Betriebe müsse man hierin unterstützen.Um Unternehmen anzulocken und sie an die Entwicklungen anzubinden, seinen zunächst einmal Breitbandverbindungen Voraussetzung. Der Landkreis Lörrach gehe da sehr gut voran, aber auch hier werde es noch eine Weile dauern, bis das Breitbandnetz geschaffen ist.

Auch für die Duale Hochschule ist in den Bereichen Digitalisierung und Knowledge-Transfer sowie beim Thema Sicherheit autonomer System aktiv, berichtete Studiengangsleiter Jan Olaf. Die Duale Hochschule hat einen Forschungsauftrag, den sie gemeinsam mit regionalen Partnern aus der Industrie erfüllt. Auch die Wirtschaftsförderung der Stadt Lörrach unterstützt Unternehmen auf dem Weg in die Digitalisierung und bei der Nachwuchsförderung, etwa durch die IT-Job-Info-Tour oder den Roboterwettbewerb im Schülerforschungszentrum Phaenovum, erklärte Ina Krauß.

Aus Anlass der ersten deutschen Clusterwoche, bei der Netzwerke die Vielfalt und Stärke der deutschen Betriebe zeigen, hat Connect Dreiländereck seine jährliche Veranstaltung auf diesen Termin vorverlegt, wie Netzwerkmanagerin Gudrun Gempp berichtete. Aufgrund des neuen Termins ergab sich auch erstmals die Möglichkeit, die Veranstaltung trinational aufzustellen, was künftig fortgesetzt werden soll. So war auch "Basel Area Swiss" beteiligt, die Innovationsförderung und Standortpromotion der Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Jura, wie Sébastien Meunier erklärte. Vor einem Jahr habe man bereits eine trinationale Veranstaltung am Euro-Airport gemacht und sei froh, nun einen festen Partner gefunden zu haben, sagte er.

Dem schloss sich auch Eric Bonnin von der elsässischen Industrie- und Handelskammer an. Auch französische Unternehmen befassen sich mit der Digitalisierung, am 14. und 15. Juni findet dazu eine Fachmesse im Parc Expo in Mulhouse statt, und die länderübergreifenden Kontakte zu nutzen hält Bonnin für gewinnbringend. Connect Dreiländereck ist auch an das Digitale Innovationszentrum DIZ in Karlsruhe angeschlossen, das sich vorgenommen hat, den Mittelstand für die Digitalisierung stark zu machen, sagte Julia Kreis. Gerade kleine Unternehmen und Handwerksbetriebe wissen oft nicht, wo sie ansetzen können, stellte sie fest. Alexander Maas, Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Südwest, betonte, es sei wichtig, die Netzwerke, die es gibt, sichtbar zu machen, wie es bei der Veranstaltung am Donnerstag geschah. 

Quelle: Badische Zeitung